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Samstag, 8. August 2015, 6.30 Uhr MEZ:

Der schrille Weckton meines Handys reißt mich aus dem Tiefschlaf... “Nur noch ein paar Minuten“, denke ich und drücke auf Snooze...gerade war ich wieder in meinem Traum angekommen, da ertönt erneut der Wecker... “Ach, einmal geht’s noch“ ...Snooze...wieder der Wecker...Snoo...HALT! Nun musste ich aber wirklich aufstehen. Mittlerweile war es 6.45 Uhr und schon in einer Stunde waren wir am Südausgang des Hauptbahnhofes verabredet, von wo aus wir zu unserem ersten internationalen Konzert aufbrechen wollten.

Der Blick aus dem Fenster prophezeite nichts Gutes. Regen. Heute? Nein. Voller Optimismus entschied ich mich gegen meine Regenjacke, stattdessen für meine Sonnenbrille...Hoffentlich war das die richtige Entscheidung…

Am Hauptbahnhof angekommen, traf ich auch schon auf die ersten Chormenschen, die auch nicht viel ausgeschlafener wirkten. Noch nicht ganz wach, aber voller Enthusiasmus stiegen wir in dem Bus, der uns zum Seehafen brachte. Von dort aus sollte es dann mit der Fähre weiter nach Dänemark, genauer gesagt, nach Gedser gehen.

Am Seehafen kontrollierte Torben die Anwesenheit. Alle da? ….Nein, eine fehlte- Anja. Wir sahen sie wie wild mit dem Auto über den Parkplatz des Seehafens düsen, was war denn da los…?

 

8:19 ich schrecke hoch, als würde es um mein Leben gehen. Der erste Gedanke: „Mein Bus? Der ist weg. Wieso hat mein Wecker nicht geklingelt?“ Mein Blick geht auf mein Wecker, er muss geklingelt haben, er ist gestellt. Nachdem ich ein wenig kopflos durch die Wohnung gelaufen war, rief ich Torben an: „An welchen Anleger muss ich kommen?“ Nachdem ich wusste wo ich hin sollte, machte ich mich innerhalb von 10 Minuten fertig, so schnell war ich noch nie geduscht, angezogen und zurecht gemacht. Ich packte gerade meine letzten Sachen zusammen, als mich ein heftiger Schmerz durchzog. Meinem Fuß war eine Wand im Weg…“Ist bestimmt nicht so schlimm. Ich muss jetzt auch los!“ Mit leicht erhöhter Geschwindigkeit, hoffend dass alles gut geht, fuhr ich zum Überseehafen. Dort angekommen, steuerte ich auf einen Parkplatz zu. „Dieser Parkplatzt ist geschlossen.“ Ok, umdrehen und auf den anderen…Der Shuttlebus fuhr vor mir und mich durchzog die Angst, es doch nicht mehr zu schaffen. Ein Platz für mein Auto war dann aber doch schnell gefunden. Ich schnappte meine Sachen, schloss ab und rannte los. Geschafft! Und dann hieß es wir müssen auf eine zweite Tour des Busses warten, da nicht alle reinpassten. …Zeit zum Durchatmen. Dann endlich kam der Bus. Die Fähre fuhr schließlich mit etwa 20 Minuten Verspätung Richtung Gedser und ich wurde allmählich wieder ruhiger. Nach einem Moment an Deck gab es dann einen Kaffee und etwas Frühstück. Auf der Fähre verteilten sich alle, einige saßen in Grüppchen zusammen und erzählten, andere spielten ein Kartenspiel und wieder andere schlenderten durch die Einkaufsmöglichkeiten an Bord. Die Fahrt ging sehr schnell vorüber und die Fuß- Wand Kollision war vergessen.

 

Kaum waren wir in Gedser angekommen, goss es wie aus Eimern. Sollte ich meine Entscheidung gegen die Regenjacke jetzt schon bereuen? Das miese Wetter konnte unserer guten Laune jedoch nichts anhaben. In der Eingangshalle erwartete uns bereits ein fröhlich winkender Mann mit Hut. Es war der Pfarrer von Gedser, der uns mit einem selbstgeschriebenen Schild, auf dem „CELEBRATE VELKOMMEN“ stand, herzlich begrüßte. Nun ging es in Richtung Kirche. Einige machten sich zu Fuß auf den Weg, andere nutzten den sehr originellen Shuttleservice, in Form einer Bimmelbahn, auch als „Molli auf Rädern“ bezeichnet, die uns nach einer kleinen Runde durch die Stadt direkt vor der kleinen Kirche absetzte. Dort hatte der Pfarrer schon ein kleines Buffet aus Sandwiches, Keksen, Tee und Kaffee vorbereitet. Da wir noch jede Menge Zeit bis zum Einsingen hatten und sich nun doch noch die Sonne blicken ließ, machten sich die meisten von uns auf einen kleinen Stadtrundgang durch das 800-Seelen-Örtchen. Andere genossen die Sonnenstrahlen auf der Wiese neben der Kirche. Meine Entscheidung für die Sonnenbrille, sollte ich also doch nicht bereuen. ;). Nach einem kurzen Soundcheck, führte uns der Pfarrer witzelnd in ein Nebengebäude- die Trauerhalle, wie wir dann feststellten. Dort konnten wir uns dann umziehen und einsingen. Das war schon etwas kurios. So etwas hatte es in 15 Jahren Chorgeschichte wohl auch noch nicht gegeben...

Mittlerweile bemerkte ich auch meinen schmerzenden Zeh sehr deutlich. Während auch ich einige Zeit in der Sonne saß, war mein Fuß stark angeschwollen. Auf dem verletzten Zeh, war ein rot-blauer Streifen zu sehen…Ja, die Wand hatte Eindruck hinterlassen. War wohl doch etwas schlimmer als gedacht, vermutlich gebrochen. Nichtsdestotrotz ging es dann um 15 Uhr auf die Bühne. Zum Erstaunen aller, war die Kirche bis auf den letzten Platz belegt und sogar im Eingangsbereich standen noch ein paar Leute. Das Konzert lief klasse, die Akustik war bombastisch und das Publikum begeistert.

Thomas hatte es einer jungen Dame in der ersten Reihe besonders angetan, sie konnte ihre Augen gar nicht von ihm lassen. Etwas verdutzt sahen uns die Menschen an, als wir unsere extra eingeübte „dänische“ Version von De Noche (I natten) vortrugen….Unsere Aussprache klang wohl nicht besonders Dänisch. :D Nun gut, begeistert waren die Leute trotzdem und verabschiedeten uns mit einem riesigen Applaus und Standing Ovations.

Da das gemeinsame Abendessen mit dem Pfarrer abgesagt wurde, versuchten wir mit einer früheren Fähre zurück nach Rostock zu fahren. Das klappte glücklicherweise auch und bescherte uns einen wunderschönen Ausblick auf die Hanse Sail bei Sonnenuntergang. Wie romantisch.... ;)

Einen besseren Sommertour-Abschluss, hätten wir uns nicht vorstellen können. :)

Vom Seehafen aus ging es dann für alle nach Hause. Dort angekommen, ließ ich mich müde und zufrieden auf meine Couch fallen. Was für ein schöner Tag und was für eine grandiose Sommertour. J

Als ich zu Hause ankam, waren die Schmerzen im Zeh mittlerweile so groß, dass ich beschloss gleich noch zum Arzt zu fahren. Diagnose: „Glatter Bruch. Wie haben Sie das gemacht?“…Tja, lange Geschichte…Überglücklich nach einem chaotischen, spannenden und tollen Tag ging es dann endlich Heim.

Vielen Dank allen Beteiligten für diese unvergessliche „15-Jahre Celebrate-Sommertour“ !

Rebecca und Anja