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Unser Bus kam eine halbe Stunde später. Der Fahrer war der gleiche wie am Freitag nur in schick. Er kam aus Hamburg und einer Menge Staus und war dennoch prächtig gelaunt. Wir waren müde. Von der Sonne, vom Wochenende. Wir verkrümelten uns ganz ans Ende des Busses, sprachen über mögliche Wahlentscheidungen und Wahrscheinlichkeiten, diese hinsichtlich der fortgeschrittenen Zeit noch treffen zu können. Ich rutschte irgendwie zwischen meinen Sitz und die Lehne des Vordermanns und Orest grinste frech in ein Selfie von meinem Sitznachbarn. Halb sechs waren wir am Hauptbahnhof. Wir verabschiedeten uns schnell und waren gespannt, ob wir selbst und alle anderen es noch rechtzeitig in die Wahllokale schaffen würden. Ich hatte Glück, hatte doch eine Freundin gerade am Vormittag mein Rad zurück vor die Tür gestellt. Als ich also 17:50 nach einem Sprint in die vierte Etage meines Wohnhauses sowohl meinen Personalausweis finden als auch den Standort des Wahllokals ermitteln konnte, schwang ich mich aufs Rad und erreichte meine Wirkstätte 17:59. Die hatten dort eine Arschruhe weg, ich war ziemlich alle. Und froh, dass ich mir vorher überlegt hatte, wo ich meine Kreuze setzen wollte. Anderenfalls hätte ich es wohl ob meiner Erschöpfung und Sonnenmüdigkeit nicht mehr gut überlegen können. Ich war zehn nach sechs zu Hause, konnte das Millakind ins Bett bringen und bei einem weiteren Wein und noch ein paar netten Gesichtern eine halbe Stunde später dieses wahnsinnig schöne Wochenende ausklingen lassen. Ein Hoch auf unseren Busfahrer.

 


Adieu, Judith.