Eindrücke von einem, der mit dem Chor auszog, um das Singen zu lernen

Für mich begann dieses Abenteuer einen Samstag zuvor, an unserem Chortag. Hinter uns lag schon ein gutes Stück Gesangsarbeit und ein vorzügliches Mahl kulinarischer Köstlichkeiten, als Thomas die Lichtwochensängerinnen und -sänger zur Probe einlud. Voller Neugier hab ich mich einfach der Gruppe angeschlossen. Jan rief mir noch nach, zu bleiben, um „Happy Ending“ einzuüben, doch Flo gab mir zu verstehen, dass ich das immer noch nachholen könne und schon war ich an Bord. Einige Lieder kannte ich sogar schon, doch manche waren für mich komplettes Neuland. Obwohl ich der Meinung war, dass mir auf meiner letzten Mitfahrgelegenheit mit drei Bundeswehrsoldaten die gesammelten Werke von Ramstein vorgetragen wurden, hatten die mir das Lied „Engel“ einfach vorenthalten. Begeistert von der Theatralik und Ausdruckskraft fieberte ich dem Auftritt entgegen...

...Wir probten noch mal am Mittwoch und die restliche Woche liefen bei mir die Tenor-Midis und Hörbeispiele im Hintergrund rauf und runter.

Dann kam der Samstag und eh ich mich versah stand ich mit den anderen Celebraters am freizügigen „Brunnen der Lebensfreude“ auf dem Uni-Platz. Als wir zum Soundcheck die Bühne betraten, war ich schon etwas aufgeregt. Während „21 Guns“ wussten wir Tenöre plötzlich unsern Text nicht mehr, ausgerechnet bei der Solostelle… Wie ein Mantra kreiste es danach in unsern Köpfen:

When you`re at the and of the road and you lost all sense of control and your thougths have taken their toll when your mind breaks the spirit of your soul”.

Nach dem Soundcheck hatten wir erstmal Pause und Flo lud uns auf „NT?“ (Ich dachte zuerst an einen Club, wie ST oder LT...) in seine WG ein, die gleich um die Ecke lag. Bei Adventskalendertee (Flo: „Jeder kann sich einen aussuchen, ich hab keine Lust die Kanne sauber zu machen!“) und Schokokuchen vom Mitbewohner (Flo: „Wär doch schade, wenn er schlecht wird!“) verflog meine Aufregung im Nu.

Die Zeit übrigens auch und so machten wir uns auf zum Einsingen.

Im Einsingraum wurde mir bewusst, dass ich hier vor einem Monat zur Schnupperprobe beim Uni-Chor gewesen bin (dabei ist es dann aber auch geblieben). Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich nach so kurzer Zeit wieder hier stehen würde um zu singen. Das Leben ist immer für eine Überraschung gut. An der Tafel hatte ein kreativer Kopf die Liedliste mit Symbolen dargestellt. Für allgemeine Heiterkeit sorgte die grafische Verbindung: Rum-Flasche – Ohr – und ein kleines Häschen… Na, kommt ihr drauf?

Nach dem obligatorischen Einsingen ging Thomas mit uns den kompletten Auftritt einmal durch. Dann ging alles ganz schnell. Jeder bekam einen kleinen Handzettel mit der Reihenfolge der Lieder und aus einer großen Tüte nahm sich jeder eine Krawatte. Ich wollte eine Grüne, doch wir sollten ja bunt gemischt sein, also nahm ich widerwillig eine Rote, die mir aber viel zu kurz war. Nach ein paar Anläufen hab ich sie dann doch noch passend gemacht. (Keine Angst, sie ist heil geblieben)Kaum saß die Krawatte, fand ich mich auch schon im Backstage-Bereich wieder. Dann huschten plötzlich ein paar „Elfen“ an uns vorbei, die Bühne war nun frei für unseren Auftritt.

Alle nahmen ihre Plätze ein und ich positionierte mich so, dass ich immer den Flo im Ohr hatte.

altWir wurden vom Moderator begrüßt und Thomas stellte uns vor, wer wir sind, was wir so machen und das wir auch ein Lied von Ramstein singen werden. So hatten wir die volle Aufmerksamkeit des Publikums gewonnen. Nach dem ersten Lied und den begeisterten Blicken im Publikum fiel die Anspannung von mir ab und ich genoss den Augenblick. Jedes Lied erzeugte großen Beifall und ich nutzte die Gelegenheit um den Handzettel zu zücken, weil ich mir die Liedfolge in der Aufregung nicht merken konnte. Nach dem 7. Lied sangen wir unsere Zugabe „Happy Ending“ ohne Aufforderung gleich hinterher. Es folgten Wellen des Applauses und wir verneigten uns vor unserem dankbaren Publikum. Die Zugabe fiel dann aber aus, die hatten wir ja schon gegeben… (Was ist eigentlich aus Lied Nr. 8 geworden?)

Auf dem Rückweg zum Übungsraum herrschte eine ausgelassene Stimmung, so ausgelassen, dass Thomas sich vor versammelter Chorschaft umzog.

Unsere musikalische Darbietung zur Lichtwoche 2012 war ein voller Erfolg, nicht umsonst nennt man uns auch das "Bühnenprogramm". Thomas hat uns großartig durch die Lieder geführt, selbst dann noch, als er am Cajón für die rhythmische Untermalung sorgte.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere Chorleitung und alle anderen Celebraters, die diesen Auftritt möglich gemacht haben.

Bei der Verkostung von Glühwein (herb und kräftig) und Kinderpunsch (fruchtig und süß) ließen wir unseren erfolgreichen Auftritt gebührend ausklingen und genossen ein Feuerwerk der besonderen Art zu den Klängen von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und dem Hammond-Orgel-Sound von Manfred Manns Earth Band.

Zum Finale, das so manche Silvesternacht in den Schatten stellt, waren wir im wahrsten Sinne:

"Blinded by the light"!