Auch wenn der gestrige Ausflug nach Schwerin eher als semioffizieller Celebrate-Auftritt einzuordnen ist (immerhin waren fast 50% von uns Verwandte oder Hochzeitsgäste), denke ich, kann man ihn trotzdem doch an dieser Stelle kurz (also Maddin-kurz) erwähnen. Schließlich ist Marika (die Braut) nicht nur eine ganz besondere Freundin seit Kindertagen, sondern hat viele Semester als Stimmgruppenleiterin einen bis heute reichenden erheblichen Einfluss auf die Entwicklung unseres Soprans gehabt, und auch Timm (der Bräutigam) ist nicht nur schon viele Jahre mein Freund, sondern war im Prinzip unser erster offizieller Chorphotograph, der es mit zunehmender Perfektion geschafft hat, die Stimmung eines Celebrate-Konzertes einzufangen und für die Ewigkeit festzuhalten wie kein anderer.

Zudem habe ich für diese Hochzeit zum ersten Mal seit 5 Jahren ein Celebrate-Konzert geschwänzt. Nicht zuletzt haben wir in den letzten Monaten und Jahren so einige Hochzeiten begleitet (von Pfarrern in Sandalen und Badehose, die den Trautermin vergessen hatten, oder den Ablauf der Trauung nicht kannten (sodass wir teils mehr Lieder als geplant, teils weniger sangen), sprunghafter Orgelmusik aus dem Kofferradio, Predigten über die dem Mann dienende Rolle der Frau, Zeremonien, die hauptsächlich aus Pausen bestanden und Worten, die auch ein Sprachcomputer nicht besser hätte betonen können), sodass es einfach auch schön ist, mal wieder eine Trauung erlebt zu haben, über die man auch im offiziellen Chorblog schreiben kann. Ganz zum Schluss führt uns gerade diese Hochzeit an historische Orte zurück, die nicht gerade zu den Glanzpunkten eines Celebrate-Sängers gehören, und deren Existenz man in der Vergangenheit auch gerne einmal verdrängt hat. So, das sollte als kurzes Eröffnungsplädoyer reichen, wenn einer noch mehr Gründe hören möchte, warum es hier darüber zu berichten gilt (wie dass z.B. mein letzter Blogbeitrag schon ewig zurück liegt), sage er Bescheid, ich werde dann diesen Text entsprechend erweitern :)

Nun von vorn: 

Wie oben erwähnt sollten sich am 13. August endlich Marika und Timm das Ja-Wort geben. Seit Tagen Dauerregen, auch wenn der Wetterbericht für heute nun wenigsten 2 Sonnenstunden voraussagte, war es doch mehr Wunsch als Hoffnung, ein sonniges Fest zu begehen. Schon seit Wochen hatten wir in kleiner Besetzung aus Verwandten und Freunden extra ein neues Lied einstudiert. Da ich bei den Proben entweder Klavier gespielt hatte oder die jeweilige Männerstimme gesungen hatte, die durch Abwesenheit auf sich aufmerksam machte, und bis dato niemand für mich entscheiden wollte, welche Stimme ich singen sollte, lernte ich also am Abend vorher rechtzeitig wie immer bis um 2 noch die Tenorstimme. Insofern war ich am frühen Morgen nicht unbedingt erfreut, als um 11 mein zweiter Wecker klingelte. Aber nach dem Anruf, der mich um 12 mit ungefähr den Worten „Bist Du schon wach? Wir warten auf der anderen Straßenseite“ ereilte, war ich wohl nicht der einzige, der mich in Gedanken schon in Unterhose panisch unter der Decke hervorspringen und zum Auto rennen sah, also nützte es nix: aufstehen und das Schlimmste verhindern. So fuhren wir (Lena, Judith, Daniel und ich geduscht und im Anzug ohne Unterhose – also unten drunter schon mit) frohen Mutes davon, philosophierten über Motorradfahrer, Raser, Nebelwände und die Wirkung von Wahlplakaten, um uns dann, als zum ersten Mal „Schwerin“ auf einem Schild erschien, zu fragen, wo wir abfahren müssten. Das führte uns wiederum zu der Frage, wo wir eigentlich hin müssten, sodass die erste Abfahrt sowieso schon passiert war. Wir entschieden uns dann für den Schweriner Dom, und nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, war die Diskussion auch wieder aufgeschoben, bis wir mitten in Schwerin waren und davon abgesehen, dass wir nicht sicher waren, ob wir tatsächlich zum Dom müssten und auch nicht wussten, wo wir gerade waren, auch nicht wussten, wo der Dom eigentlich steht. Also fuhren wir logischerweise geradeaus. Ach – das war doch da, wo wir beim Gottesdienst gesungen hatten – nein, das war die Schelfkirche. Aber dann war es da, wo das Brahms-Requiem aufgeführt wurde – Nein, das war die – wie hieß sie doch gleich... Jedenfalls folgten wir einfach mal Kirchturmspitzen per Luftlinie durch enge Gassen, auch gerne im Kreis, und nachdem sich Lena dann doch durchrang, einmal aus dem Fenster „Entschuldigung“ zu rufen, sodass sich eine rechts von uns gefühlt zehn Meter entfernte Frau tatsächlich angesprochen fühlte und auf Nachfrage nach dem Dom auf die gefühlt zehn Meter links von uns stehende Kirche zeigte, dauerte es doch noch gefühlte zehn Minuten, bis wir durch die Einbahnstraßen tatsächlich einen Weg dorthin gefunden hatten.

In der Kirche angekommen sahen wir auch schon unsere Sangesfreunde so nah – und doch so fern. Sämtliche Wege dorthin waren durch Seile abgesperrt. Nach einer kompletten Runde um das Kirchenschiff kam uns plötzlich die göttliche Eingebung, dass die Absperrung wohl wegen der Hochzeit dort war, und wir ja auch einfach hindurchgehen könnten – was wir dann taten.

Erkenntnis des ersten Eindrucks: Heute waren rot und lila angesagt.

Die Instruktionen des Pastors folgten – an der Seite sitzen, zum Singen nur aufstehen um nicht ständig durch Umherlaufen eine Unruhe zu erzeugen, und dann wieder hinsetzen. Was in der nächsten halben Stunde folgte – war unspektakulär – deshalb springen wir mal gleich zur Trauung (um etwas Zeit zu gewinnen). Die Orgel ertönte in dieser wunderbaren Akustik und das Brautpaar zog in die Kirche ein. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Braut und Brautkleid so unglaublich schön waren, als wäre eins für das andere geschaffen worden, frei nach dem Motto: Gott weiß, ich will ein Engel sein.

Schon an den Eröffnungsworten spürte man, dass dies keine Predigt der biblischen Standardwerke werden würde. Die gesamte Trauung war zugleich modern und traditionell, locker und dennoch feierlich, kurzum: von allen Pastoren, die ich bisher erlebt habe, mit Abstand einer der besten.

Nungut, nun durften währenddessen ja auch wir singen. Ich selbst war zu dem Zeitpunkt schon so berührt, dass es mit schwerfiel, einen klaren Ton zu formulieren. Unser Pianist Marian begann „Close to you“ diesmal mit einem eindrucksvollen, sehr warmen Intro (es wurde hinterher behauptet, schon da seien pathologische Hautbefunde bei den Besuchern aufgetreten), wir Singenden stellten für uns fest, dass wir das Klavier sehr gut hörten – und sonst nichts (also z.B. die anderen Singenden) – was aber gut mit dem fehlenden Sichtkontakt harmonierte. So kam es, dass wir bei unserem extra einstudierten Lied nicht nur das Schnipsen vergaßen, sondern auch vor dem letzten Refrain plötzlich das Klavier allein weiterspielte und wir uns nur orientierungslos ansahen. Das Panorama reichte von verlegenem Grinsen und dem berühmten Bodenblick über rote Bäckchen bis zum panischen Augenzittern. In allgemeiner Ratlosigkeit blieb einzig unser Sopran souverän und setzte auf einmal mit einer fast unverschämten Entschlossenheit wieder ein – und wir alle waren gerettet. Daumen hoch für unseren Sopran! Durch ihren begnadeten Einsatz fiel dieses Malheur des einzigen Liedes, das noch niemand kannte, keinem auf. Unser Abschlusslied „I will celebrate“ lief dann wieder ohne Probleme, und die Hochzeitgemeinde klatsche, das Brautpaar sang sogar emsig mit. Nicht vergessen möchte ich Marikas Papa, der dem Paar in seinem beeindruckenden und emotionalen selbst geschriebenen Lied seine Wünsche mit auf den Weg gab. Alles in allem muss ich nochmal betonen: Eine wunderbare Trauung, eine der besten, die ich je erlebt habe (und das sage ich nicht nur, weil es im Anschluss noch vor der Kirche belegte Brötchen und Sekt gab).

In Kolonne ging es nun zur Feier, ich durfte hinter dem Klavier Platz nehmen (dass wiederum Beifahrer von Marian war). Der coole Country-Rock'n-Roll-Mix und die Angst vor Mini-Attacken (Mini im Sinne von Auto) unterwegs seien hier nur kurz erwähnt, sowie die Tatsache, dass wir auch diesmal keinen Plan hatten, wohin wir fahren sollten, aber zum Glück einfach den anderen Autos hinterherfahren konnten (auch wenn mir bis jetzt völlig schleierhaft ist, wie wir von uns unbemerkt vom letzten Startplatz plötzlich auf Platz 3 der Autoschlange gelangten, ohne dass wir überholt hatten oder jemand einen anderen Weg genommen hätte).

Jedenfalls erschien nun das schicksalhafte Schild: Frauenmarck!!!

RÜCKBLICK: 23.08.2008 (vor fast genau 2 Jahren). Hochzeit in der Dorfkirche von Frauenmarck. 15 Sängerinnen und Sänger haben sich angemeldet, die Trauung zu umrahmen. Pianist: fehlt. Dirigent: spielt Klavier (zum ersten Mal). Am Morgen 2 Krankmeldungen. Auf der Autobahn Qualm: Ein Auto mit 5 Personen bleibt liegen.  Ein Fahrer fährt los, um die Gestrandeten abzuholen (und ist im Nachhinein verwundert, keine Photos per Post bekommen zu haben). Bilanz zu Beginn der Trauung: 3 Sängerinnen, 4 Sänger, 1 unechter Pianist an einem Klavier das nur über 2 kleine Computerboxen erklingt, 0 Dirigenten. In entsprechend hochwertiger Qualität erklingen die ersten 2 Lieder. An die genauen Worte der ebenfalls sehr guten Pastorin, als sie mich streng anschaut, kann ich mich nicht erinnern, aber was bei mir ankommt ist etwa „Gott wird vielleicht sogar Euch vergeben“. Zum dritten Lied kommt endlich unser Notkurier durch die Tür und unsere Besetzung ist komplett. Auch wenn das dritte Lied nun bestens klappt, treibt uns ein beschämtes schlechtes Gewissen und die Angst vor der Bestrafung durch eine höhere Macht dazu, ein Zusatzkonzert auf der Feier im Schloss zu geben. Die Hochzeitsgesellschaft klatscht und jubelt, irgendwer hört jemanden sagen: „Die können ja doch singen“. In der Erinnerung erliegt das Schloss einem dunkelgrauen Himmel in Blitz und Donner (das hat aber das Gehirn dazu gedichtet, ich meine, dass es in der Realität lediglich etwas bewölkt war.) Von dieser Hochzeit stammt übrigens der Ausspruch „Man liebt sich nicht, weil man zusammenpasst, sondern weil man zusammengehört“.

HEUTE: Wir erreichen das Schloss Frauenmarck. Alles sieht genauso aus wie damals – und: Die Sonne scheint! Ringsherum ist alles grün, es ist warm, es ist hell, die Vögel zwitschern, und auf der großen Wiese vor dem Schloss erstrahlt unser Brautpaar. Vielleicht etwas zu viele kleine Krabbeltierchen.

Es folgt das Anschneiden der Hochzeitstorte, das gemeinsame Essen, eine große Vorstellungsrunde, viele wirklich emotionale und anrührende Worte und die große Unterhaltungsshow unseres Pianisten Marian. Nunja, mit dem kleinen Manko, dass alle so erfreut über die erste Sonne seit Wochen sind, dass man Marians Spiel fast als Privatkonzert für die äußerst treuen Zuhörer (also mich) bezeichnen kann, da außer 4-5 sporadischen Indoor-Stuhlartisten der Großteil der Gesellschaft draußen auf der Wiese verweilt. Zu allem Überfluss muss Marian bis 20:00 in Rostock beim Drei-Chöre-Konzert sein, da sein Navigationssystem 90min Fahrt ansagt, müssen wir dann gegen 19:00 einsehen, dass er (nachdem ich ihn nochmal mit 1000 Dingen zum Konzertablauf zugelabert habe) los muss, in Gedanken an all unsere Celebrate-Freunde, die bereits seit einer Stunde in der Marienkirche in Rostock proben. Ich kann es auch nicht unterlassen, Thomas, der heute dirigieren wird, noch ein paar letzte Dinge per SMS zu schreiben, die nächsten 2 Stunden wird mich Benni dabei beobachten, wie ich ständig nervös auf die Uhr schaue und sage „Jetzt müssten sie ihr erstes Lied singen...“

Bei uns folgt nun das Abendbrot. Ich bepacke mir einen großen Teller mit Nachtisch und gieße mir einen noch größeren Schluck der Schokosoße darüber, auf die ich schon seit mindestens einer halben Stunde ein Auge geworfen habe – und ich denke, sie fühlt genauso. Beim genüsslichen Ergießen über meinen Teller meine ich sogar kleine Schoko-Klümpchen zu entdecken. Riecht etwas komisch. Aber über Kleinigkeiten kann man hinweg schauen. An meinem Platz angekommen (da ist Licht) schimmert die Schokosoße rötlich. Ich probiere – heiß! - und extrem bitter. Der Blick in die Speisekarte verrät: Holundersoße! Unangerührt bleibt der Nachtischteller stehen und die Romanze findet ein jähes Ende.

Nach ein paar Spielen wird auch endlich die Tanzfläche eröffnet, ich hinterlasse bei der Braut zur Erinnerung ein paar Schuhabdrücke auf dem Kleid, der DJ spart Zeit und spielt meistens 2 Lieder gleichzeitig, die Musik wandelt sich von „dumps dumps“ nach „uff uff“ und die große Eisbombe wird vernascht. Andrés „Oh, es ist ja schon ganz schön spät“-Rufe werden nicht erhört und ich muss zugeben, dass auch mich langsam die Müdigkeit packt. Der Umstand, dass Katha schon den ganzen Tag in diesen hohen Schuhen herumläuft, lässt nur ein kurzes Jammern meinerseits über meine schmerzenden Füße zu.

Die Vogelhochzeit wird von Männern in Leggins und farbigen Röckchen neu erfunden. Als musikalisches Highlight singen nicht nur Brautvater und -schwester ein weiteres Mal, sondern auch das Brautpaar führt zusammen ein traumhaftes Duett auf, dass die gesamte Gästeschaft dahinschmelzen lässt.

Ab 22:00 renne ich regelmäßig in den Garten an die einzige Stelle, an der mein Mobiltelephon Empfang zu haben scheint, wieder im ständigen Kampf gegen Krabbeltierchen. Der Mond scheint hell über dem Schloss, am Horizont steht der Jupiter, ich sehe sogar eine Sternschnuppe, was Rike mir etwas übel nimmt – sie nämlich nicht. Aus Rostock kommt endlich per SMS die Erfolgsmeldung von einem super gelaufenen Konzert, sowohl Thomas als auch Marian als auch der abtrünnige Schulschwänzer in der Ferne scheinen erleichtert und beruhigt (obgleich ich relativ sicher war, dass alles gut gehen würde).

Zum Abschluss gibt es ein (zumindest anfangs) pompöses Feuerwerk (am Ende scheint es etwas zu stottern), das den Fokus meiner Videokamera maßlos überfordert. Weit nach Mitternacht fahren Susi, Benni und ich nach Gepäcktetris auf dem Parkplatz wieder nach Rostock zurück, diesmal sitze ich neben einer Art mobiler Trennwand. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt (also tatsächlich genau darüber) und lauschen Bully's Stimme, wann wir wo abfahren sollen...

 

… ich finde beim Nachobenscrollen den Anfang gar nicht mehr, da sollte ich wohl langsam zum Schluss kommen.

 

Zusammenfassung:

Eine wundervolle, emotionale Trauung am einzigen Sonnentag im August und ein perfektes Traumpaar an einem unvergesslichen Tag, an dem die Assoziation „Frauenmarck“ völlig umgeschrieben wurde. So hat doch alles seinen Sinn und der Kreis schließt sich.

 

Weitere Fakten:

1.        Das war nur ein ganz ganz kurzer Abriss von musikalischer (Celebrate-)Seite. Die ausführliche Version mit persönlichen Anmerkungen erscheint demnächst im Volk&Wissen-Verlag.

2.         Ich war der erste, der sowohl Marika als auch Timm kannte (das muss ja wohl nochmal gesagt werden!).

3.         Dies war wohl vorerst der letzte gemeinsame Celebrate-Auftritt von Marian und mir.

4.         Irgendwo mittendrin hat dann doch wieder die Zeitform gewechselt.

5.         Ich erwarte einen mindestens genauso umfassenden Bericht zum Drei-Chöre-Konzert.

6.        Der 13.08. ist bereits ein besonderes Chordatum. Am 13.08.2008 waren wir beim ZDF - Grand Prix der Chöre in Köln. Marika sang im Sopran, Timm war Anführer der Fankurve.

7.         Wer das alles bis hier gelesen hat: RESPEKT!

 

 

 

Liebe Marika, lieber Timm:

Wir Celebrateler wünschen Euch für Eure gemeinsame Zukunft alles Gute, Glück,
Gesundheit und dass all die wunderbaren Dinge aus Euren Brautbriefen auch in Erfüllung gehen.