Celebrate ... oder wie ein Chor entstand

„To celebrate“ - ein Wort aus dem Englischen was soviel bedeutet wie „feiern“, „zelebrieren“, „feierlich abhalten“ –sollte der Name eines Chores aus Rostock werden. Aberdas wusste ich damals noch nicht, denn die Namensgebung erfolgte erst ein Jahr nach der Chorgründung - und von dieser möchte ich hier erzählen. Es war eine schwierige Geburt und wenn man es genau nimmt dauerte es Jahre, bis ich eine Idee, die sich bereits seit geraumer Zeit in meinem Kopf befand, endlich verwirklichen konnte. Noch zu Schulzeiten lernte ich in Nürnberg (da bin ich aufgewachsen) eine Gruppe kennen, die sich „Ten Sing“, die Abkürzung von „Teenager singing“, nannten. Bei dieser Gruppe handelt es sich um eine Singout-Bewegung, die 1968 in Bergen/Norwegen entstand. Konze pt einer „Ten-Sing-Gruppe“ (die es heute überall auf der Welt und in fast jeder größeren Stadt gibt) ist, mit Jugendlichen eine komplette Show, bestehend aus Tanz, Theater, Band und einem Chor, zu einem selbst gewählten Thema zu erarbeiten und dann aufzuführen. Ich war selber lange Zeit in so einer Gruppe und es hat riesigen Spaß gemacht. Mit einem Leiterwechsel wechselte leider auch die Qualität dieser Gruppe und damit der Spaß, und so trat ich dort wieder aus, mit dem Gedanken, irgendwann vielleicht selber mal so etwas ins Leben zu rufen.

Daraufhin ging erst mal viel Zeit ins Land, ich machte mein Abitur, meinen Zivildienst und bekam dann einen Studienplatz für Medizin in Rostock... far, far away from Home!
Teil des Medizinstudiums ist die Ausbildung in der Anatomie, und dazu gehört der „Präparierkurs“. Hier lernen Medizinstudenten durch Präparation an Verstorbenen, die ihren Körper zu Lebzeiten zur Verfügung gestellt haben. Diese Körper werden nach dem Semester eingeäschert und anonym auf einem speziellen Platz auf einem Friedhof in Rostock bestattet. Ein schöner Brauch, der sich vor über zehn Jahren in Rostock entwickelt hat ist, dass die Medizinstudenten den Angehörigen eine Aussegnungsfeier organisieren und gestalten. Dazu gehört auch ein Chor der sich für diesen Anlass bildet, und an dem ich teilnahm. Nun ergab es sich, dass der Chor keinen Dirigenten hatte und ich bot mich an, obwohl ich das zuvor ja nie wirklich gemacht hatte... und siehe da, es funktionierte und es machte Spaß... mir und den Sänger/Innen. UND DA KAM SIE WIEDER... DIE IDEE, die immer noch im meinem Kopf nistete. Einige Mitstreiter zeigten sich durchaus interessiert, im nächsten Semester weitersingen zu wollen. „Jetzt oder nie“ dachte ich mir und so hing ich im Jahr 2000 Plakate auf, wo ich die Entstehung eines „Studenten-Rock-Pop-Gospel-Chores“ ankündigte und um MitsängerInnen warb. Wann genau die erste Probe war, kann ich gar nicht mehr genau sagen (es muss im Herbst 2000 gewesen sein), aber sie fand im „grünen Ungeheuer = WISO-Fakultät“ (Parkstrasse) statt. Ich wusste nicht, was mich erwartet, ob überhaupt jemand kommt und vor allem nicht, was daraus werden würde...
Ich war als Erster da und wartete... und tatsächlich... plötzlich, oho, kam die erste, und noch eine, und noch einer... und am Ende starrten mich etwa 50 (!!) Augenpaare an. (Ob die sich verlaufen hatten?) Niemals hatte ich mit so vielen gerechnet und mir rutschte wirklich das Herz in die Hose. Ich fragte mich, ob ich dem überhaupt gerecht werden könnte, aber da musste ich nun durch. Ich weiß noch... unser aller, aller erstes Lied war „Mein kleiner grüner Kaktus“ (einstimmig), dann folgte „Battlefield“ und „I want to be ready“... und bis heute sind es... meine Güte, ich mag gar nicht dran denken!
Ich habe diesen Chor drei Jahre lang geleitet, was, trotz des Stresses, den eine Chorleitung mit sich bringt, unglaublich Spaß gemacht hat. Leider musste ihn dann aus Zeitgründen abgeben, aber in André hatte ich einen würdigen Nachfolger gefunden und selbiges kann ich von Christoph, unserem jetzigen Chorleiter, ebenfalls sagen.
Ja, so fing alles an, und was sich da bis heute draus entwickelt hat, hätte ich nie zu träumen gewagt. Ganz besonders freue ich mich zum Beispiel darüber, dass sich zwei mir wichtige Menschen in diesem Chor kennen gelernt, sich verliebt und dann geheiratet haben, und inzwischen zwei Kinder haben. Es gibt natürlich noch eine Vielzahl solcher Geschichten, aber wenn man die hier alle aufschreiben würde, dann wären mehrere Seiten gefüllt. (Wer sie hören will kommt zum Chor und fragt mich? ). Ich freue mich jedenfalls kolossal, und bin auch ein bisschen stolz darauf, dass dieser Chor (der seine Taufe dann übrigens im Jahre 2001 im Rahmen einer Chorfahrt – siehe dort – bekommen hat) sich bis heute so gehalten und entwickelt hat. Er wird immer mein „erstes Kind“ bleiben, also behandelt ihn gut ;-)


Euer Raphael